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Rückblick:
UEFA-Cup-Sieger
Schalke 04
fühlte den Aspacher Kickern auf den Zahn


FC Schalke 04
Bundesliga

20. Juli 1997


Bezirksauswahl
Rems-Murr

10

 

1

FC Schalke 04: Schober, Held, Kurz, de Kock (58. Thon), van Hogdalen (46. Nemec), Müller (58. Latal), Büskens, Gossens (46. Anderbrügge), Anfang, Klionev (46. Pereira), Dybek.
Rems-Murr-Team: Arweiler (46. Knödler), Petz (46. Haerer), Lehmann (46. Weiss), Herb (46. Schwarz), Gradwohl (46. Uwe Schreiber), Gunzer (46. Shpilevsky), Spindler (46. Bohmwetsch), Schwab (46. Rainer Schreiber), Kraft (46. Nickel), Loth (46. Sousa), Chatzikiriakos (46. Kimmich).
Schiedsrichter: Bicheler aus Stuttgart.
Zuschauer 4.000.


Berichte: Backnanger Kreiszeitung

FC Schalke 04 glänzt, allerdings nur eine Halbzeit
Der Bundesligist wirbelt beim 10:1 die Amateurauswahl des Bezirks Rems-Murr im Aspacher Fautenhau kräftig durcheinander

Viel hatte sich die Bezirksauswahl fürs Duell mit Bundesligist FC Schalke 04 vorgenommen. Die Fußballer aus dem Kreis wollten, so der Wunsch der Trainer Richard Wolf und Görge Kalb: „Mitspielen und nicht zweistellig verlieren.“ Heraus kam im Aspacher Fautenhau ein 10:1-Sieg für den Uefa-Cup-Sieger, der bereits zur Pause mit 7:0 führte.

Volksfeststimmung herrschte auf der Großaspacher Sportanlage. „Rund 4000 Zuschauer“ schätzte SG-Funktionär Wolfgang Schmückle. Auslöser der Völkerwanderung war der Auftakt der Feierlichkeiten, mit dem der Sportkreis Rems-Murr gestern seinen 50. Geburtstag beging. Der bisherige Trikotsponsor des Traditionsvereins aus dem Ruhrpott, die Winnender Reinigungsfirma Kärcher, präsentierte den FC Schalke als Geschenk für den Jubilar.

Die Elf von Trainer Huub Stevens hielt, was sie versprochen hatte, zumindest vor der Pause. Ohne die verletzten Martin Max, Juri Moulder, Thomas Linke sowie Rene Eykelkamp und mit den Stars Jens Lehmann, Olaf Thon, Ingo Anderbrügge, Jiri Nemec sowie Radek Latal auf der Ersatzbank, wirbelte der Erstligist über den Rasen, dass das Zuschauen eine Freude war. Allerdings: Die Profis glänzten nur eine Halbzeit. In der zweiten Hälfte hielten die Verbands- und Landesligaakteure wesentlich besser mit. Pikanterie am Rande: Ausgerechnet als Schalkes Etablierte auf dem Rasen standen, ließ die Spielfreude nach.

Zu dem Zeitpunkt führten die Gäste aus dem Westen allerdings bereits 7:0. Nach drei Minuten hatte der starke Angreifer Michael Gossens den Bundesligisten mit 1:0 in Führung gebracht. Wirbelwind Arnold Dybek erhöhte wenig später auf 2:0. Das muntere Toreschießen ging weiter. Dybeck, Markus Anfang, Gossens, Denis Klionev und Mike Büskens machten den Unterschied zwischen Bundesliga und Verbands- beziehungsweise Landesliga deutlich. Es wäre wohl noch deutlicher gewesen, hätte der Aspacher Torwart Karl-Heinz Arweiler nicht mehrmals glänzend pariert.

Bezirkscoach Richard Wolf sprach später von einer „Lehrstunde“ für seine Schützlinge. Sein Partner auf der Trainerbank, Görge Kalb, erkannte die Schalker Übermacht ebenfalls neidlos an, zumal „ich seit langem ein Schalke-Fan bin.“

Uefa-Cup-Sieger schaltete einen Gang zurück

Daran hatte er nach der Pause aber wesentlich weniger Freude. Nachdem die Auswahl komplett durchgewechselt hatte, hielt sie nun wesentlich besser mit. Zweimal Holger Kimmich und Nicolai Shpilevsky hatten sogar drei gute Möglichkeiten zum Ehrentreffer, doch auch Torhüter Mathias Schober war auf dem Posten. Nach einer Stunde gelang dem eingewechselten Miguel Pereira mit einem wunderschönen Seitfallzieher das 8:0. Der Ex-Düsseldorfer Anfang erhöhte sechs Minuten später mit einem Flugkopfball auf 9:0. Für Schalkes 10. Treffer war wieder der fleißige Arnold Dybek zuständig. Ansonsten ließen es die Profis nun ruhiger angehen. Zudem war der Urbacher Keeper Jochen Knödler ein starker Rückhalt. Und dann klappte es doch noch für die Amateure. In der 74. Minute kam Nicolai Shpilevsky im Zweikampf mit Marco Kurz im Strafraum zu Fall. Libero Uwe Schreiber, der die Abwehr der Rems-Murr-Kicker in der zweiten Hälfte gut organisierte, verwandelte den Elfmeter sicher zum 1:10.

Stimmen der Trainer: Lehrstunde vor der Pause erteilt

Huub Stevens hätte mit dem Auftritt seiner Truppe durchaus zufrieden sein können. War er aber nur teilweise. Schalkes Trainer kritisierte in der Pressekonferenz: „So wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, macht Fußball Spaß. Was nach der Pause lief, kann jedoch keinem Fußballer Spaß machen.“

Der Coach und sein Manager Assauer („Mir wäre es recht gewesen, wenn die Elf in der zweiten Halbzeit mit dem selben Tempo wie in der ersten Hälfte gespielt hätte“) betrachteten das Freundschaftsspiel offenbar nicht nur als Pflichtübung. Nochmals Stevens: „Mit so einem Spiel muß vernünftig umgegangen werden, das war in den zweiten 45 Minuten nicht der Fall.“ Schließlich gehe es auch darum, einige Dinge auszuprobieren, so der Trainer.

Ganz froh über Schalkes Schongang in der zweiten Hälfte waren die Auswahltrainer. Richard Wolf bilanzierte: „Schalke war in der ersten Halbzeit fünf Nummern zu groß. Nach dem Wechsel haben sie zum Glück die Handbremse angezogen.“

Görge Kalb betrachtete das Duell als „eine tolle Geschichte, auch für die Spieler“. Aber nicht nur für die Akteure, auch für den Nachwuchs. So nahe kommen sie Fußballprofis nur in den seltesten Fällen.

21.07.1997


Der Sieger heißt Verein für Lebenshilfe

Mit 10:1 Toren schlug der FC Schalke 04 die Bezirksauswahl. Gefreut werden sich die heimischen Fußballer über diese Trefferflut sicherlich nicht haben. Gefreut aber hat sich der Backnanger Verein für Lebenshilfe. Denn pro Tag in dieser Partie spendeten die Firma Kärcher, die Desso DLW, das Backnanger Billard-Sport-Zentrum und die SG Sonnenhof Großaspach je 50 Mark.

Damit kam ein stolzer Betrag von insgesamt 2.200 Mark zusammen, der dem Verein in kürze überreicht werden wird. Vorsitzender Martin Dietrich und seine Gattin beklatschten deshalb auch jedes Tor im Fautenhau begeistert.

21.07.1997


Lokalmatadoren fordern Cupsieger
Neben dem Bundesligisten FC Schalke 04 sind auch die heimischen Kicker am Ball

Schalke 04 ist für seine Fans nicht nur ein Fußballverein. Schalke 04 ist wegen der hohen Arbeitslosigkeit im Revier ein Hoffnungsträger. Schalke 04 ist Uefa-Pokalsieger, was nicht nur die Westfalen mit Stolz erfüllt. Schalke 04 glänzte dabei nicht, aber die Spieler erarbeiteten sich den Titel. Schalke 04 gastiert am morgigen Sonntag in Großaspach.

Der Sportkreis Rems-Murr feiert sein 50 jähriges Bestehen und macht es mit dem Schalke-Sponsor Kärcher möglich: Der Bundesligist spielt morgen um 11.30 Uhr im Sportpark Fautenhau. Ein Vesperspielchen ist nicht zu erwarten. Trainer Huub Stevens duldet keine Nachlässigkeiten.

Selbst verdiente Spieler wie Olaf Thon haben keine Stammplatzgarantie. Der Libero, der in der vergangenen Saison vor allem auf europäischer Ebene überragende Leistungen bot, will hoch hinaus: Der mittlerweile 31 jährige Fußballer peilt sein Comeback in der Nationalmannschaft an.

Der Schalker zählte bereits 1986 zum Aufgebot von Franz Beckenbauer für die Weltmeisterschaft in Mexiko, kam jedoch nicht zum Einsatz. Vier Jahre später spielte er bei der WM in Italien und holte mit der DFB-Auswahl den Titel. Danach lief´s aber nicht mehr so recht. Mit Torhüter Jens Lehmann, Abwehrrecke Thomas Linke oder Stürmer Martin Max klopfen weitere Spieler an die Tür der deutschen  Eliteauswahl. Johan de Kock, Youri Mulder (beide Niederlande), Jiri Nemec, Radoslav Latal (beide Tschechien sowie Marc Wilmonts (Belgien) sind bereits alle Nationalkicker ihres Landes.

Auf dem Transfermarkt schlug Manager Rudi Assauer zu, holte hochkräftige Verstärkungen: Die Stürmer Rene Eijkelkamp (Niederlande, sechs Länderspiele) und Michael Goossens (Belgien, sechs Länderspiele) oder den alten Haudegen Marco von Hoogdalem (Niederlande).

Die Bezirksauswahl des Rems-Murr-Kreises wird sich ins Zeug legen müssen, um nicht deklassiert zu werden. Das Team der Trainer Richard Wolf (FC Viktoria) und Görge Kalb (SG Sonnenhof Großaspach) setzt sich wie folgt zusammen:
Karl-Heinz Arweiler, Thomas Herb, Uwe Schreiber, Thomas Gradwohl, Andreas Rieger, Rainer Schreiber, Alberto de Sousa, Nicolai Shpilevsky, Jürgen Loth (alle SG Sonnenhof Großaspach); Oliver Spindler, Ralf Kropf, Manfred Haerer (alle FC Viktoria Backnang) Steffen Karsch, Jens Schwab, Andreas Nickel, Arndt Bohmwetsch, Klaus Petz (alle TSG Backnang), Rainer Schwarz, Markus Weiß (beide SC Korb), Jörg Gunser, Markus Kraft (beide TV Oeffingen), Holger Kimmich, Stefan Lehmann (beide SV Fellbach), Jochen Knödler, Elefterios Chatzikiriakos (beide SC Urbach).

Ein Lokalderby findet morgen ab 17 Uhr im Sportpark Fautenhau statt. Dabei treffen Auswahlmannschaften von Murr und Rems aufeinander. Trainer der Murr-Auswahl ist Armin Fischer, ehemalige Keeper des VfB Stuttgart. Folgende Fußballer sind nominiert: Andreas Geckeler, Jochen Schneider (beide TSV Bad Rietenau), Bernd Reisser, Walter Maurer (beide SV Spiegelberg), Thomas Arweiler, Jürgen Veihl (beide SG Sonnenhof Großaspach), Hans-Joachim Wüst, Paolo Oliveira (beide SV Steinbach), Alexander Stoppel, Robin Hummel, Markus Spörle (alle SG Oppenweiler/Strümpfelbach), Dirk Mayer, Andreas Wieczorek (beide SVG Kirchberg), Jörg Pfannenschmidt, Jochen Math (beide TSV Oberbrüden), Markus Gross, Jochen Krauss, Reiner Ebert, Markus Philipp (alle TSV Lippoldsweiler). In Reihen der Rems-Auswahl von Coach Klaus Bihlmaier (SG Schorndorf) stehen: Frank Riethmüller, Horst Sackmann, Roger Schreiner, Michael Kalafatis, Ralf Weingart, Sven Krötz (alle VfL Winterbach), Drazan Marinic, Volker Brümmer, Markus Hermann (alle SV Remshalden), Uwe Kaltschmid, Ralf Neumann (beide TSV Schornbach), Roland Merkle Spvgg Rommelshausen), Stefen Rösch (TSV Miedelsbach, Christoph Braun (TSV Schlechtbach, Milan Milosevic, Thomas Rieger (beide SG Schorndorf).

19.07.1997


„Steh auf, wenn Du Schalker bist“
Höhepunkt der Jubiläumsfeier: Das Spiel des Uefa-Cup-Siegers gegen eine Rems-Murr Auswahl

„Weiß blau wie lieb ich dich ...“ – dieses Lied ist Pflichtgesang für alle echten Schalker. Doch nach dem sensationellen Uefa-Cup-Sieg gegen Inter Mailand am 21. Mai 1997 wurde die alte Schalker Hymne abgelöst durch einen neuen Song der Fans: „Steh auf, wenn Du Schalker bist“. Der Uefa-Cup-Sieger 1997 spielt am 20. Juli um 11.30 Uhr auf der Anlage der SG Sonnenhof Großaspach gegen eine Elf der besten Fußballer aus dem Rems-Murr-Kreis. Ein Geschenk des Schalke-Sponsors Kärcher aus Winnenden an den Sportkreis Rems-Murr, der 50 Jahre alt wird.

Schalke ist ein Phänomen, dem sich kaum jemand entziehen kann. Die frühere „Skandalnudel“ mit Bestechungsversuchen, verurteilten Spielern, späteren finanziell dubiosen Machenschaften des Klinikbesitzers und damaligen Schalke-Präsidenten Günter Eichberg hat sich zu einem seriösen Verein internationaler Anerkennung gewandelt. Kölns genialer Regisseur Wolfgang Overath sagte eins: „Schalke ist einmalig in Deutschland. Das liegt an der Tradition Szepans und Kuzorras und der Zeit, die danach kam“. Wie etwa die Zeit des legendären Flügelflitzers Reinhold „Stan“ Libuda, der von einem Fan einmal so auf einem Plakat verewigt wurde: „Am lieben Gott kommt keiner vorbei – außer Stan Libuda“.

Schalke heute, das sind 40 Millionen Mark Umsatz in der abgelaufenen Saison, 16.500 Mitglieder, zu denen auch der Papst gehört, und 287 offiziellen Fanclubs mit über 12.000 Mitgliedern. Ironie des Schicksals oder typisch für Schalke: Jörg Berger brachte den Verein in den Uefa-Cup-Wettbewerb 1996/97 – und musste im Oktober seine Koffer packen, nachdem sich die Spieler gegen ihn ausgesprochen hatten.

Dabei hatte er gerade vorher in der ersten Runde den SV Roda JC Kerkrade aus dem Uefa-Cup-Wettbewerb geworfen – und dessen Trainer Huub Stevens trat am 8. Oktober 1996 die Nachfolge Bergers an. In der vergangenen Saison wurde schnell klar, dass sich Schalke voll und ganz auf den Uefa-Cup konzentriert. International sorgten die Königsblauen für Furore, 1:0 und 3:3 gegen die türkische Mannschaft Trabzonspor, 1:2 und 2:0 im Achtelfinale des Uefa-Cup gegen Brügge, dann warf man Bayern-Bezwinger Valencia 2:0 und 1:1 aus dem Wettbewerb.

Schließlich noch das dramatische Halbfinale gegen CD Teneriffa – Schalke warf den Ex-Verein von Jupp Heynckes aus dem Wettbewerb. Dann noch die absolute Krönung im Finale: Mit einem Gewaltschuß rettete Marc Wilmots am 7. Mai das 1:0 gegen  Inter Mailand im Parkstadion – und der Held in Mailand am 21. Mai war dann Torhüter Jens Lehmann, der im Elfmeterschießen die besten Nerven bewies.

18.07.1997

 

 

 

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