
Aus
drei mach fünf: Im Sommer greift die Regionalliga-Reform
Von Florian
Huber und Lars Müller-Appenzeller - Schon wieder
eine Reform. Mehr als ein Jahr ist seit dem DFB-Bundestag
im Oktober 2010 in Essen vergangen. Damals wurde die
Umgestaltung der vierthöchsten Spielklasse beschlossen.
Statt den drei Regionalligen Süd, West und Nord
- wie in der aktuellen Spielzeit - wird es ab kommender
Saison fünf Regionalligen geben. "Direkt nach
den Beschlüssen war die Unruhe richtig groß",
erinnert sich Thomas Deters, der Geschäftsführer
der SG Sonnenhof Großaspach: "Für uns
Vereine kam dieses Modell praktisch aus dem Nichts."
Verwässerung
Doch die
Sache ist beschlossen. Künftig wird es weitere
35 bis 40 Clubs geben, die sich Regionalligist nennen
dürfen. Das ist mehr als ein Reförmchen, das
wird die Fußballlandschaft in Deutschland verändern.
Schließlich muss die Frage lauten: Bedeutet mehr
Masse auch mehr Klasse? "Der Wettbewerb wird verwässert",
sagt Deters. "Woher sollen denn die ganzen Spieler
kommen, die das gleiche Niveau haben wie bisher?"
Maximal
22 Clubs wird die neue Regionalligastaffel Südwest
umfassen. 42 Saisonspiele drohen in der nächsten
Spielzeit jedem Club. Die Fahrtkosten werden größer
sein als je zuvor. Zudem hat die Berufsgenossenschaft
angekündigt, die Beiträge für die Vertragsspieler
in absehbarer Zeit beinahe zu verdoppeln. Und ab der
nächsten Saison fehlen jedem Verein rund 100 000
Euro, die bislang vom Fernsehen kamen. Zum Vergleich:
Eine Liga höher kann mit TV-Geldern in Höhe
von 900 000 bis einer Million Euro kalkuliert werden.
"Die Schere geht auseinander. Der Profifußball
wird zur geschlossenen Gesellschaft", prophezeit
Deters.
Der Trichter
nach oben wird durch die Reform noch dünner. Erfolgsgeschichten
wie jene der TSG 1899 Hoffenheim, die von 2006 bis 2008
aus der damaligen drittklassigen Regionalliga bis in
die 1. Bundesliga stürmte, werden durch die Reform
noch märchenhafter. Wobei die zweite Hoffenheimer
Mannschaft dem badischen Bundesliga-Club einen Aufstieg
bescheren könnte. Die U23 von 1899 ist die offensivstärkste
Mannschaft in der Regionalliga Süd, steht auf Platz
sieben. Für Trainer Frank Kramer ist die Sache
klar: "Für Clubs, die ausbilden wie wir, wird
diese Reform keine Vorteile bringen. Denn die U-23-Teams
werden noch jünger werden, um noch früher
das Können der Spieler zu überprüfen."
Der Entwicklung der jungen Spieler sei das nicht dienlich.
Die Reform lässt die Geduld mit den jungen Hoffnungsträgern
nicht größer werden.
Grenze
Ernst
Tanner, Manager bei 1899, ist ganz beim Großaspacher
Thomas Deters, wenn er sagt: "Durch die Neuerung
wird die Grenze zwischen dem semiprofessionellen Fußball
und dem Profibereich größer." Und das
sollte durch die Reform verhindert werden. Es ist also
nur eine Frage der Zeit, wann die Reform reformiert
werden wird.
28.
Dezember 2011
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